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Phönix aus dem Schrotthaufen

Anfangs der Neunzigerjahre stieg die Arbeitslosenquote in der Schweiz auf ein Ausmass, das die erwerbstätige Generation und Gesellschaft vorher nicht kannte. Der junge Sozialarbeiter Paolo Richter entwickelte das Konzept der Berner Velo-Recycling-Werkstatt Drahtesel aus der Not und aus einem Velo-Schrotthaufen im eigenen Garten. Das Prinzip «Velos für Afrika» ist Teil davon.

Früher konnten sich die obdachlosen BewohnerInnen der sozialen Wohngemeinschaft Weierbühl in Köniz mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. In den Neunzigerjahren fehlte ihnen aber ohne Arbeitsstelle jegliche Tagesstruktur. Aus der neuen Not keimte an einer Vorstandssitzung der damaligen Stiftung für Berner Obdachlose die Idee eines gemeinnützigen Arbeitsprojekts für Benachteiligte. Sofort zu handeln, war man sich in diesen verschworenen Reihen gewohnt.

Als einer der jüngsten Mitarbeiter, der gerade im Rahmen seines Uni-Studiums ein Praktikum in der Stiftung absolviert hat und dann als Betreuer in der Obdachlosen-WG am Weierbühlweg 4 in Köniz arbeitet, wird Paolo Richter für den Projektaufbau angefragt. Aus seiner privaten Passion, dem Velo-Recycling, erwächst ein Konzept: «Ich hatte damals im Garten rund 30 Velos stehen und liegen. Ein grosser Schrotthaufen quasi. Ich habe oft bis tief in die Nacht hinein an den Velos herumgetüftelt, um sie wieder fahrbar zu machen.»

Ein Tüfteln in der Freizeit, das andern zum Tagesinhalt dienen kann!
Nach nur drei Monaten Vorbereitungszeit eröffnete die Velo-Recycling-Werkstatt Drahtesel im Oktober 1993 in einer verlassenen Fettfabrik im Liebefeld ihren Betrieb. Paolo Richter erinnert sich gerne: «Das Velolager füllte sich im Nu. Alle halfen mit. In dieser Zeit kam auch Mozato, eine Freund aus Ghana, zu Besuch. Ich habe ihn während eines Entwicklungseinsatzes kennengelernt.» Mozato sieht den vollen Velokeller und ist begeistert. «Dass wir diese Velos auch für Afrika aufbereiten und verschiffen, war seine Idee!»

Bald schon verlässt der erste 40-Fuss-Container randvoll mit recycelten Velos gefüllt die Drahtesel-Werkstatt Richtung Ghana, wo Mozato eine Non-Profit-Organisation aufgebaut hat. In Ghana entstehen Werkstätten für Verkauf und Unterhalt und damit neue Arbeitsplätze. Paolo Richter: «Mit dem erdölunabhängigen Transportmittel aus der Schweiz können sich zudem manche einen eigenen Erwerb sichern, indem sie beispielsweise als KleinhändlerInnen von Markt zu Markt fahren.»

 
 
 
 
 

 

   
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